Happy Tapping - Lisa Filzmoser - Page 2
November 23, 2007 @ 8:16 AM
Credit action pics: Daniel Deak Bardos / Elan Snowboards
Credit portrait: Elan Snowboards
LISA FILZMOSER
Sie fühlt sich im Dirndl genauso wohl wie auf Kickern, Rails oder im Backcountry. Die 26-jährige Österreicherin ist ein wahres Allround-Talent, aber ihre große Liebe gilt fetten Powderturns. Zu sehen unter anderem in dem diesjährigen All Girls-Film „Float“ (der übrigens der aktuellen Onboard-Ausgabe beigelegt ist). Wer sie beim Filmen am meisten beeindruckt hat, wieso sie in ihrem zweiten Leben wohl Aerobic-Trainerin geworden wäre und wieso sie sich nicht gerne Dinge wünscht, erfahrt ihr hier.
Onboard: Vor kurzem hatte der All Girls-Film Float Premiere in München, in dem du einen Main Part hast, und der Film ist wirklich gut angekommen. Hast du ihn selbst schon gesehen?
Lisa Filzmoser: Ja, ich habe ihn schon gesehen. John Roderick hat echt gute Arbeit geleistet! Man muss berücksichtigen, dass er der nicht nur der Produzent, sondern gleichzeitig auch der einzige Filmer war.
OB: In dem Film sieht man ein paar ziemlich sketchy Lines von dir am Mt Baker. Snowboardlegende Barrett Christy hat euch dabei begleitet und das Gebiet gezeigt. Sie hat mir erzählt, dass sie von deinem Riding sehr beeindruckt war…
LF: Echt!? Das ist ja geil! Ich fand es toll, dass sie uns Mt Baker gezeigt hat und wir mit ihr fahren durften. Wir haben sogar noch sie und ihre Familie besucht und es war echt
eine Ehre, sie kennen zu lernen!
OB: Kann ich mir vorstellen! Und ihr Part in Float ist eines der Highlights! Schade, dass es von den Fahrerinnen nur Silvia Mittermüller zur Premiere nach München geschafft hat…
LF: Ja, ich konnte leider nicht kommen, weil ich zu der Zeit gerade in Vancouver beim Nikita Shoot war. Wie war die Party?
OB: Die Party war super, aber wie war das Shooting mit Nikita? Nur Mädels – kommt man überhaupt dazu, „ernsthaft“ zu arbeiten?
LF: Es war echt lustig, weil wir Mädels uns supergut verstanden haben. Wir wohnten in einem riesigen Haus ein bisschen außerhalb von Vancouver. Ich kann dir ein paar Pics von unserer Halloween Party schicken. Die war unglaublich! Ben Fee, der auch in Vancouver war, um für Nikita ein paar Artsy Shots zu produzieren, hat das „Female Sexiest Outfit“ gewonnen…
OB: Oh ja, Bilder von Halloween klingen gut - als was hast du dich verkleidet?
LF: Ich bin als Aerobic-Trainer gegangen und die ganze Zeit Übungen vorgemacht, die unsere Crew dann auf der Tanzfläche nachgeturnt hat. Ich schicke dir gleich das Foto per Email durch. Darauf sind von links nach rechts zu sehen: Julia aka Julian, Maribeth as Gabby, Gabby - the scary doll, Ben - the sexy woman, Raphaelle - the fat girl und Lisa - the aerobic trainer.
OB: Sehr lustiges Foto! Ich frage mich immer, wie ihr Pros das unterwegs macht, wenn ständig andere Mottopartys sind. Man hat ja nicht immer seinen kompletten Kleiderschrank auf Reisen dabei, oder?
LF: Nein, aber das Aerobic-Outfit war nicht so schwierig, weil ich gerade gerne Leggins trage…
OB: In Ausgabe 95 (erscheint am 28.12.) haben wir ein großes Girls Special im Heft und die Story macht mit einem ziemlich fetten Gap Jump von dir auf. Kannst du uns mehr darüber erzählen?
LF: Cool. Das wusste ich noch gar nicht! Das Foto entstand während eines Helly Hansen Shoots in Interior BC und wir sind an diesem Tag zwei Gaps gesprungen. Das erste war noch größer und bei diesem zweiten Gap musste ich mich gar nicht mehr großartig überwinden. Der Shot war auch gleich beim ersten Versuch im Kasten. Leider konnte ich nicht spinnen, da man nicht genügend Speed nehmen konnte…
OB: Wusstest du gleich, dass es ein guter Shot wird?
LF: Ob es ein Hammerfoto wird, weiß man nie genau. Man weiß höchstens, ob man stylisch war oder nicht.
OB: Bei diesem Trip waren auch Shin Campos und Eric Themel dabei, oder?
LF: Ja, genau. Es war echt toll, mit diesen beiden unterwegs zu sein, da sie so viel Erfahrung im Backcountry haben - da kann man nur profitieren und ich habe viel von ihnen gelernt. Man wird einfach besser, wenn man mit erfahrenen Leuten fahren geht und sieht, wie sie mit Situationen umgehen und wie sie das Gebiet lesen. Wie sie entscheiden, was sie springen oder was lieber nicht. Wie viel Speed sie für was nehmen. Viele Sachen eben…
OB: Viele junge Fahrer wissen nicht einmal, wie man einen Piepser einschaltet, obwohl sie viel im Backcountry unterwegs sind…
LF: Es ist wirklich wichtig, zu wissen, wie man mit einem Piepser umgeht, und genau zu wissen, was man tun muss, wenn jemand verschüttet wird. Ich habe öfters mit meiner Familie und Freunden die Piepsersuche geübt und weiß, wie ich mich verhalten muss, wenn was passiert. Ich hoffe jedoch, dass ich nie in so eine Situation kommen werde.
OB: In Europa gibt es nicht viele Frauen, die das Freeriden richtig pushen. Hängt das damit zusammen, dass Mädels noch immer eher durch Contests auf sich aufmerksam machen müssen? Ich habe das Gefühl, als ob sich Jungs eher aussuchen können, ob sie mit Contests oder mit Filmen ihr Geld verdienen möchten. Stimmt das?
LF: Ich denke, jeder Snowboarder fängt am Anfang seine Karriere mit Contests an und manche wechseln schnell über zum Filmen, weil sie Angebote bekommen haben. Es gibt ein paar Mädels, die nur filmen und keine Contests fahren, aber es ist sehr schwer, dorthin zu kommen. Aber dasselbe gilt auch für die Jungs - es ist sauschwer, in eine gute Videoproduktion reinzukommen.
OB: Ja, letzte Saison hatten nur ganz wenige Mädels wie zum Beispiel Anne-Flore Marxer einen Part in den großen Produktionen wie Absinthe oder Pirates. Mit welcher Crew würdest du gerne filmen, wenn du die Wahl hättest, und wie sähe dein perfekter Part aus?
LF: Die Crews, die du genannt hast, machen die geilsten Snowboardvideos. Ich würde bestimmt nicht nein sagen, wenn mich eine von ihnen fragen würde, hahaha. Mein perfekter Part würde nur Powdershots mit Drops, Kickern und Lines beinhalten.
OB: Was macht dir mehr Spaß - Backcountry oder Park?
LF: Powder war, ist und bleibt das Schönste, was man beim Snowboarden machen kann… Aber wenn es keinen Neuschnee gibt, dann fahre ich sehr gerne im Park, Kicker sind toll!
OB: Die Saison hat unglaublich begonnen – sogar unser Home Resort Spitzing in der Nähe von München hat schon mehr als eineinhalb Meter Schnee und die sperren normalerweise erst im Dezember auf!
LF: Ja, es ist Wahnsinn und ich habe auch schon die ersten Powder Pics im Kasten! Der Schnee ist gerade so geil und ich hoffe, es bleibt so diesen Winter. Mit Freunden war ich schon im Stubaital und der Axamer Lizum, da hat mich beim Fahren ein Hai erwischt. Und letztes Wochenende war ich mit meinem Freund Alvaro (Vogel, Schweizer Snowboarder, die Red.) und dem Fotografen Carlos Blanchard am Hochjoch in Vorarlberg. Das war wirklich sehr schön! Wie im Traum, im November zu powdern…
OB: Das Elan Trinity hast du selbst designt - was macht es besser als andere Boards?
LF: Es ist nicht nur ein perfektes Twin Tip für Frauen, sondern auch das leichteste Board, das es gibt! Und die Graphic ist wirklich der Hammer!
OB: Hast du die selbst entworfen? Ich habe gehört, dass du an der Kunstakademie angenommen worden bist, dich dann aber doch für das Snowboarden entschieden hast…
LF: Nein, das Brettdesign hat Mojca Dolinar aus Slowenien gemacht. Sie ist wirklich toll! Ich zeichne ganz gerne für mich, aber könnte mir später schon etwas in dieser Richtung vorstellen.
OB: Wo siehst du dich in 5 Jahren?
LF: So weit denke ich gerade nicht voraus, da ich mich auf das konzentriere, was ich im Moment mache. Aber ich hoffe, dass ich auch in fünf Jahren noch immer snowboarde und glücklich bin. Mein Ziel für die nächsten Jahre ist es, mich zu verbessern und Spaß zu haben, denn wenn mir das Ganze keinen Spaß mehr macht, werde ich aufhören. Ich fühle mich besser als je zuvor auf dem Brett und habe noch unendlich viele Träume.
OB: Okay, dann frage ich etwas konkreter. Wie sehen deine Pläne für diesen Winter aus?
LF: Ich werde mit La Famiglia, einer deutsch-österreichischen Crew, filmen und hoffe, dass ich die Footage eventuell auch jemand anderen weitergeben kann. Dann werde ich noch ein paar TTR-Contests mitfahren und viel fotografieren gehen.
OB: Okay, letzte Frage: Wenn du drei Wünsche frei hättest, die aber nur in Erfüllung gehen, wenn sie etwas mit Snowboarden zu tun haben - was würdest du dir wünschen?
LF: Aber ich will nicht, dass nur, weil ich mir etwas wünsche es dann sofort in Erfüllung geht. Das wäre langweilig.
OB: Ja, wenn man alles sofort bekommt, verliert man schnell die Lust daran. Da fällt mir doch noch eine Frage ein: War es hart für dich, Pro zu werden oder ist es dir eher “zugefallen”?
LF: Ich denke schon, dass ich Glück hatte und ich bin dankbar dafür, dass mich so viele Leute unterstützt haben. Aber ich denke nicht, dass einem etwas einfach so zufällt, man muss auch etwas dafür tun. Von nichts kommt nichts.
OB: Dann noch einmal zurück zu deinen drei Wünschen. Ich bin hartnäckig, ich weiß…
LF: Mmmmh, dann würde ich mir wünschen, dass Österreich immer genügend Schnee bekommen sollte. Nein, ich will mir nichts wünschen und das dann bekommen, nur weil ich es mir gewünscht habe…
OB: Ist ja nur hypothetisch…
LF: Und dass es nicht so viele Snowboardverletzungen gibt.
OB: Das waren nur zwei… Einer fehlt noch!
LF: Oh, und dann noch dass Snowboarden so weiterlebt, wie wir es alle gerne hätten. Nämlich, dass es ein Lifestyle und kein Trainingsprogramm ist.
OB: Ein gutes Schlusswort! Willst du dich noch bei irgendjemandem bedanken?
LF: Gerne! Dank geht an alle meine Freunde, meine Familie und Sponsoren: Elan, Helly Hansen, Nikita, Smith, Vans, Les Ettes, Dakine.
Name: Lisa Filzmoser
DOB: 08.08.1981
Hometown: Thalheim/Wels, Austria
Stance: 61, +18, -9
Board of choice: Elan Trinity
Boots of choice: Vans Veil
Bindings of choice: Elan Stella
Outerwear of choice: Helly Hansen Plenty Jacket, Vega Pant
Goggles of choice: Smith Phenom


